Ra(n)dbegegnung: Besuch aus England

Es dürfte inzwischen fast 20 Jahre her sein, als ich einen Engländer kennenlernte, der mit dem Rad durch Europa fuhr. Sein Fahrrad war ein ziemlich klappriger Drahtesel und auf dem Gepäckträger hatte er eine  regelrechten Turm, bestehend aus Zelt, Schlafsack, Kleidung und allen weiteren Utensilien die man für eine lange Radreise braucht.

Er fragte mich, in einer Mischung aus nur schwer verständlichem englisch und deutsch, nach dem Weg, er wollte in meiner Heimatstadt jemanden Besuchen. Nachdem ich Ihn verstanden hatte – was etwas dauerte – und ich Ihm den Weg erklärt hatte trennten sich unsere Wege zunächst wieder. Ich ging langsam nach Hause und stand plötzlich wieder vor Ihm. Nach einem weiteren Gespräch und dem Austausch unserer Adressen verabschiedeten wir uns. Wenn ich mich nicht irre, stellte er sich als John Burns (beim Namen bin ich mir auch nicht ganz sicher – ist ja schon ne Weile her). vor.

Ungefähr ein Jahr später, ich hatte Ihn schon fast vergessen, komme ich nach Hause und mein Vater empfing mich an der Wohnungstür mit den Worten „Du hast Besuch“. Ich hatte mit allem gerechnet, aber nicht damit, dass dieser alte Radfahrer, der mich irgendwie an Catweazle (die älteren unter meinen Lesern werden sich noch an die englische Jugendserie um einen Zauberer aus dem Mittelalter der ins 20 Jahrhundert gelangte erinnerte), mich tatsächlich besuchte. Er hatte wohl schon eine Weile gewartet und „versucht“ sich mit meinem Vater zu unterhalten. Da mein Vater kein Wort englisch sprach, war es vermutlich eine sehr einseitige Unterhaltung. Mein englisch war damals auch noch nicht wirklich gut (genauer: es war hundsmisserabel) und trotzdem versuchte ich nicht nur mit John (er sprach einen für mich schwer zu verstehenden Dialekt) zu reden, sondern auch noch für meinen Vater zu übersetzten. Es kam dabei heraus, dass John schon Rentner war und zuvor als „engineer“ in der Filiale einer kleinen holländischen Firma tätig war. Es dauerte eine Weile bis ich seine Ironie verstand – er war Ingenieur bei Philipps. Er erzählte uns, dass er sehr an der Geschichte der Staufer interessiert ist und auch schon an Ausgrabungen teilgenommen hat, sowie Mitglied in der Staufergesellschaft sei. Dann zeigte er uns seinen Ausweis –  John Burns von Hohenstaufen.

Später wollte er noch weiter fahren, ich habe Ihn dann noch bis zu seinem nächsten Ziel ca. 10km bekleidet.

Im Jahr darauf stand er wieder vor meiner Tür – dieses mal übernachtete er bei mir. Seit dem habe ich aber leider nichts mehr von John gehört.

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